Viele Lebensmittel verursachen durch die Landwirtschaft, z.B. Wasserverschmutzung, viele Umweltschäden. Anstatt das für die Lebensmittelpreise zu berücksichtigen, werden die Menschen eher mit niedrigen Preisen gelockt. Würde man jedoch die Umweltschäden auf die Lebensmittel aufrechnen, würden die Preise für Fleisch, Milch und Käse explodieren. Hackfleisch müsste fast dreimal so teuer sein, Milch und Gouda müssten fast doppelt so viel kosten, wie Wissenschaftler der Universität Augsburg errechnet haben.
Umweltschäden finden aktuell keinen Eingang in den Lebensmittelpreis, aber sie fallen den künftigen Generationen zur Last. Die Wissenschaftler der Universität Augsburg haben im Auftrag des zur Rewe-Gruppe gehörenden Discounters Penny die „wahren Kosten“ für insgesamt 16 Eigenmarken-Produkte der Handelskette berechnet und dabei neben den „normalen“ Herstellungskosten unter anderem auch die Auswirkungen der bei der Produktion entstehenden Treibhausgase, die Folgen der Überdüngung sowie den Energiebedarf berücksichtigt.
Die Resultate sind gravierend, vor allem bei Fleisch und Tierprodukten. So müsste der Preis für Fleisch aus konventioneller Aufzucht bei Berücksichtigung der versteckten Kosten um satte 173 Prozent steigen. Konkret: 500 Gramm gemischtes Hackfleisch aus konventioneller Herstellung würden nicht 2,79 Euro, sondern 7,62 Euro kosten.
Normale Milch würde sich um 122 Prozent verteuern, Gouda-Käse um 88 Prozent und Mozzarella um 52 Prozent. Um einiges geringer wären die Aufschläge bei Obst und Gemüse. Bananen würden um 19 Prozent teurer, Kartoffeln und Tomaten um 12 Prozent und Äpfel um 8 Prozent. Bei Bioprodukten fielen die Preisaufschläge durchweg etwas geringer aus als bei konventionell hergestellter Ware. Doch auch der Preis für Biofleisch würde bei Berücksichtigung der „wahren Kosten“ noch einmal um 126 Prozent steigen.
Die Rewe-Gruppe will das Problem der versteckten Kosten bei der Eröffnung eines neuen Nachhaltigkeitsmarktes seiner Discountkette Penny in Berlin thematisieren. Für je acht konventionell und ökologisch erzeugte Eigenmarken-Produkte will der Händler dort neben dem Verkaufspreis auch den „wahren Preis“ ausweisen.
Auf dem Preisschild steht dann für die H-Milch neben dem Verkaufspreis von 79 Cent, auch die „wahren Kosten“ von 1,75 Euro und beim Bio-Hackfleisch in der 250-Gramm-Packung neben dem Verkaufspreis von 2,25 Euro auch die „wahren Kosten“ von 5,09 Euro.
Auch beim Nachhaltigkeitsmarkt von Penny muss man am Ende nur den normalen Preis zahlen. Doch sehen die Verantwortlichen einen wichtigen ersten Schritt zu mehr Nachhaltigkeit. Ihnen ist es wichtig, dass den Kunden die Folgekosten des Konsums sichtbar gemacht werden, um dadurch hoffentlich bewusste Kaufentscheidungen zu treffen.
Das größte Problem ist jedoch, dass die Unternehmen in einem wettbewerbsintensiven Markt ohne Zweifel Teil des Problems sind. Es reicht deshalb nicht nur aus, die Preise zu thematisieren, sondern wirklich anzupassen und die Folgekosten durch z.B. eine Besteuerung der CO2-Emission in der Landwirtschaft an die entsprechenden Stellen weiterzureichen.
Durch die Preisanpassungen der Lebensmittelmärkte erhofft man sich eine deutliche Verschiebung hin zu mehr pflanzlichen und mehr Bio-Produkten führen, die gleichzeitig die Umweltschäden deutlich reduzieren.
In den bisherigen Test wurde nur eine geringe Anzahl an Lebensmittel und ihre Folgekosten berechnet. Zudem sind wohl auch in diesen noch weitere versteckten Kosten enthalten, die bei der Lebensmittelproduktion anfallen. So ließen sich beispielsweise die Folgekosten des Antibiotika-Einsatzes in der Tierzucht, der zu multi-resistenten Keimen führt oder die der Nutzung von Pestiziden noch sehr schwer beziffern, um in die aktuellen Berechnungen einzufließen.
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MARC MAXWELL